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Projekte 20/21

Im Förderzeitraum 2020/2021 (Stand Dezember 2020) konnten von der Stiftung des Vereins wieder einige ornithologische Projekte finanziell unterstützt werden. Weiteres entnehmen Sie den Stiftungsberichten. Im Folgenden möchten wir ausgewählte Projekte näher vorstellen.

Unterstützung der Steinkauzansiedlung in der Thüringer Rhön; Antragsteller: Landschaftspflegeverband "BR Thüringische Rhön" e.V.

Hintergrund

Der Steinkauz (Athene noctua) war im benachbarten Grabfeld bis in die 1970er Jahre ein regelmäßig anzutreffender Brutvogel. Beobachtungen aus dieser Zeit belegen, dass sich das damalige Verbreitungsgebiet vom Fuße der Rhön etwa bei Oberelsbach, den Mellrichstädter Gäu und über das gesamte Grabfeld erstreckt hat. Aufgrund umfassender Umstrukturierungen in der Landschaft seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts war der Steinkauz hier lange Zeit ausgestorben. Seit 2005 gibt es erfolgreiche Ansätze (v.a. D. Scheffler (BY Grabfeld/ Rhönausläufer), Landschaftspflegeverband (LPV - TH Grabfeld) die Art hier und im Thüringer Grabfeld wieder anzusiedeln. 2015 konnten in den aufgezählten Gebieten über 100 Brutreviere festgestellt werden. Trotzdem gilt die Art in Thüringen nach wie vor als vom Aussterben bedroht (2016, RLT 1). Sowohl nach Süden (LK Hassberge) als auch nach Norden (Thüringer Rhön) sollen potentielle Lebensräume optimiert werden, um dem Steinkauz weitere geeignete Bruthabitate anzubieten, mit dem Ziel langfristig eine gut vernetze Metapopulation zu etablieren. 

Umsetzung

Der LPV Rhön stellte im Rahmen seiner Arbeit als Natura 2000-Station „Rhön“ einen Antrag bei der Stiftung des VTO. Gemeinsam mit Christian Groß (CG) wurden anhand von Luftbildern Flächen ausgewählt, die geeignet erschienen Steinkauzröhren zu installieren. Entscheidend war einen Mindestabstand zum Wald einzuhalten, um den Prädatorendruck gering wie möglich zu halten. Es wurde versucht, Hangplätze zu wählen, die einen räumlichen Bezug zu den Streuobstwiesen des ENL-Projektes „Geflügelte Vielfalt“ (GV) aufweisen, um den Kontrollaufwand möglichst zu minimieren, da die DV-Kästen auch regelmäßig kontrolliert werden müssen. Die Kästen wurden sowohl auf Streuobstwiesen, wie auch in Baumreihen installiert. Hierbei erfuhr der LPV Rhön zusätzlich ehrenamtliche Unterstützung von Göran Roeder, der später einen Teil der Kästen kontrollieren wird. Auch mit D. Scheffler wurde über die Eignung potentieller Flächen Rücksprache gehalten. Im Februar 2020 erfolgten ehrenamtliche Flurfahrten (C. Groß/ J. Gombert und G. Roeder/ J. Gombert) um die Flächen im Gelände zu verifizieren und potentiellen Hangplätze genauer festzulegen. Mit Hilfe des FIS-Naturschutz, worauf die Natura 2000-Station Zugriff hat, konnten die Flurstücken ermittelt werden. Zusätzlich wurden die Kategorien (privat/kommunal/ …) herausgesucht. Die Eigentümer der Flächen sollten vor dem Aufhängen der Kästen über selbiges Vorhaben informiert werden. Aus Datenschutzgründen konnte der LPV Rhön private Flächeneigner nicht selbst anschreiben. Hier wurde das Projekt durch die Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön (BRR) in Zella unterstützt. Der LPV Rhön bereitete die Schreiben vor und die BRR-Verwaltung übernahm den Versand an Privatpersonen. Bei kommunalen Flächen erfolgte die Information direkt durch den LPV Rhön. Alle angeschriebenen Eigentümer waren mit dem Aufhängen der Kästen einverstanden.

Materialbeschaffung und Umsetzung

Die notwenigen Materialien wurden durch den LPV Rhön angeschafft, die Rechnungen wurden am 08.04.2020 beim VTO (CG) eingereicht. Im Frühjahr 2020 wurden durch den LPV Rhön, z.T. durch ehrenamtliche Unterstützung durch CG und G. Roeder 44 von den 55 in der Thüringer Rhön installiert. 10 Kästen sind derzeit noch bei der Agrargenossenschaft in Kaltennordheim zwischengelagert. An den dafür vorgesehen Hangplätzen sollen im Herbst (Okt/ Nov) 2020 noch acht der verbliebenen Kästen aufgehängt werden. Im Herbst 2020 wurden alle Kästen zum ersten Mal kontrolliert. Als Kontrolleure haben sich fünf Steinkauzfreunde ehrenamtlich bereit erklärt. C. Groß entwarf ein Begleitformular und eine Arbeitsanleitung für die Kontrolleure, damit gewährleistet ist, dass die Kontrollen nach einem einheitlichen Schema ablaufen.

 

Projekte 18/19

Im Förderzeitraum 2018/2019 (Stand August 2019) konnten von der Stiftung des Vereins wieder einige ornithologische Projekte finanziell unterstützt werden. Weiteres entnehmen Sie den Stiftungsberichten. Im Folgenden möchten wir ausgewählte Projekte näher vorstellen.

Ausstattung von Thüringer Beobachtungsgebieten mit ornitho.de QR-Codes

Antragsteller: Der Verein Thüringer Ornithologen e.V.

 „Vielerorts laden Beobachtungstürme und -hütten zur störungsfreien Naturbeobachtung ein. Doch nicht nur erfahrene Expertinnen und Experten nutzen solche Einrichtungen. Naturinteressierten mit geringeren Kenntnissen wird Wissenswertes über die Natur meist auf Informationstafeln geboten, deren Inhalte unveränderlich sind. Aktuelle Beobachtungen werden, wenn überhaupt, oft nur in Form von ausgedruckten Beobachtungslisten in Schaukästen angeboten, deren Aktualisierung in der Regel mit einem höheren Aufwand verbunden ist. Die QR-Codes von ornitho.de bieten den Besucherinnen und Besuchern tagesaktuelle Beobachtungen ohne Pflegeaufwand.

Wie funktioniert das?

Über das Internetportal www.ornitho.de haben seit dem Start im Herbst 2011 mehr als 23.000 registrierte Personen über 30 Millionen Vogelbeobachtungen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengetragen. (Stand: Anfang 2018) Mit dem direkten Zugriff auf diesen reichen Datenschatz hat der DDA die Voraussetzungen dafür geschaffen, sich schnell und aktuell über die Vogelwelt vor Ort zu informieren. Ein Mobiltelefon oder Tablet hat heutzutage nahezu jeder dabei. Die meisten dieser Geräte verfügen über eine eingebaute Kamera und eine Software, mit der sich die Inhalte der QR-Codes kinderleicht scannen lassen. Ein weiterer Klick genügt: Und schon listet www.ornitho.de die Beobachtungsdaten der letzten 15 Tage auf.  Die Nutzung der QR-Codes funktioniert nur bei Mobilfunknetz- Abdeckung. Eine geringe Bandbreite ist jedoch ausreichend, da der Datentransfer minimiert wurde. Gegen Vandalismus sind die QR-Codes übrigens wenig anfällig: Da die Daten im QR-Code durch einen fehlerkorrigierenden Code geschützt sind, wird ein Verlust von bis zu 30 % des Codes toleriert, d.h. er kann auch dann noch gelesen werden, wenn er entweder aus einem ungünstigen Winkel gescannt wird oder beschädigt wurde. Probieren Sie es mit Ihrem Smartphone am besten direkt einmal aus!“ (Auszug aus dem QR-Code Erklärungstext des DDA „QR-Codes von ornitho.de...wissen was hier fliegt!“ Version 2, 12.04.2018). Im Thüringer Freistaat befinden sich eine Vielzahl von avifaunistisch wertvollen Biotopen und Rastgebieten. Der Verein Thüringer Ornithologen e.V. stattete diese Beobachtungsgebiete in einer ersten Staffel mit ornitho.de QR-Codes aus . Ausgewählt wurden 14 von Vogelbeobachtern besonders frequentierte, über den gesamten Freistaat verteilte Gebiete. Die QR-Code Schilder sind in vorhandenen Beobachtungsständen und an Schautafeln angebracht worden. Die Tafeln besitzen ein bewährtes Format von 15x22 cm und werden auf 3mm Aludibond gedruckt. Den Tafeln ist somit eine langjährige Haltbarkeit gegeben. Dieses Projekt nutzt die www.ornitho.de Plattform und ermöglicht eine sofortige Auflistung der Beobachtungen in den jeweiligen Gebieten. Nach dem Scannen des Codes wird auf der Startseite neben den aktuellen Beobachtungsdaten auch das verlinkte VTO-Logo und das „Plug in“ zu unserer Facebook-Homepage angezeigt. Des Weiteren werden auch für naturinteressierte Menschen, die nicht in www.ornitho.de angemeldet sind, die Beobachtungen aufgezeigt. Es reicht ein Smartphone mit einer QR-Code Reader App. Da auf diesem Weg viele Menschen erreicht werden können, verspricht sich der VTO den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Die Anbringungserlaubnisse der jeweils zuständigen Stelle, sowie die technischen Umsetzungen des Projekts wurden von im Auftrag des VTO durchgeführt. Partner vor Ort installierten die Schilder an den zuvor festgelegten Plätzen. Durch den VTO können für die einzelnen Gebiete Nutzungsberichte abgerufen werden, um die Frequentierung durch Interessierte und aktive Beobachter zu bewerten. Für die Kosten zur Generierung der ornitho.de QR-Codes durch den DDA, die Herstellung der Schilder durch die Druckerei, sowie benötigtes Installationsmaterial wurde dieser Förderantrag gestellt. Folgende Gebiete wurden mit QR-Code Tafeln ausgestattet: Haselbacher Teiche (ABG), Ohnestau Birkungen (EIC), NSG „Friesnitzer See“ (GRZ), Stausee Dachwig (GTH), Teichwiesen Stressenhausen (HBN), Helmestausee Kelbra mit Solwiesen (NDH), NSG „Breitunger Seen“ (SM), Hohe Rhön (SM), NSG „Plothener Teiche“ (SOK), Rückhaltebecken Straußfurt (SÖM), Rund um die Vogelwarte Seebach (UH), NSG „Herbslebener Teiche“ (UH), Nationalpark Hainich-Silbersee/Nachtigallenweg (WAK), NSG „Rhäden Dankmarshausen“ (WAK).

Was genau wird dargestellt?

• Vogelbeobachtungen je nach Gebietsfestlegung im Radius 1–5 km um einen definierten Punkt

• Vogelbeobachtungen der letzten 15 Tage aus diesem Bereich

• Insgesamt bis zu 200 Beobachtungsmeldungen (aus denen man sich wahlweise nur seltene, die weniger häufigen oder alle Arten anzeigen lassen kann)

• Logos von ornitho.de, dem DDA, der VTO-Facebook Seite, sowie der Stiftung des Vereins Thüringer Ornithologen mit entsprechender Verlinkung

Christian Groß

Naturschutzgerechter Umbau einer alten Trafostation am Gut Hillemann bei Heiligenstadt

Antragssteller: FG Ornithologie Eichsfeld e.V.

Im Frühjahr des Jahres 2019 erfuhren Mitglieder der Fachgruppe Ornithologie Eichsfeld e.V. das in der Gemarkung nördlich von Heiligenstadt ein einigermaßen intaktes Stromhäuschen von den Stadtwerken Heiligenstadt nicht mehr benötigt wird. Mit der Errichtung eines neuen Gewerbegebietes musste ein neuer, leistungsstärkerer Trafo beschafft werden. Daher sollte das alte Stromhäuschen möglicherweise abgerissen werden. Von einigen Naturfreunden kam der Vorschlag, dieses Bauwerk in einen Naturschutzturm mit Nistgelegenheiten für Schleiereulen, Turmfalken, Kleinvögel und Fledermäuse umzubauen. Das Objekt liegt ca. 2 Km nördlich von Heiligenstadt und ca. 500 m südlich der Autobahn A 38, im MTB 4626/2 – Rh 7996 – in 340 m NN. Nachdem darüber während einer Mitgliederversammlung der Fachgruppe Ornithologie diskutiert worden war und die Bedenken einiger Mitglieder ausgeräumt waren, wurden Gespräche mit der LEVER AG (Grundeigentümer) und den Stadtwerken Heiligenstadt (Eigentümer des Gebäudes) aufgenommen. Dabei wurde vereinbart, dass die Fachgruppe das Gebäude für 20 Jahre unentgeltlich pachten und darin Nisthilfen für verschiedene Tiere anbringen kann. Die Fachgruppe verpflichtete sich dabei, das Gebäude und die unmittelbare Umgebung in Ordnung zu halten. Auf den ersten Blick waren das Mauerwerk und das Dach des Gebäudes in Ordnung. Es sollten lediglich einige schadhafte Stellen ausgebessert werden. Da die sich die Schäden am Außen – und Innenputz doch als etwas größer herausstellten, wurde das gesamte Gebäude neu verputzt. Hierfür fanden sich recht schnell einige Helfer und Sponsoren, sodass bereits im Juli 2019 mit der Renovierung begonnen werden konnte. Den Außenputz übernahm die Firma TWE Uder, die von den veranschlagten 3000 Euro einen Anteil von 1000 Euro übernahm. Die benötigten Gerüste stellte die Firma B. Gabel, Heiligenstadt kostenlos zu Verfügung, das Anbringen der Dachrinnen wurde ebenfalls kostenlos von Fa. Waldmann aus Heiligenstadt durchgeführt. Den Außenanstrich, sowie den Innenputz übernahmen Mitglieder der Fachgruppe Ornithologie selbst, die Organisation der Arbeiten die Familie Trümper aus Siemerode. Da die Fachgruppe über einige Mitarbeiter verfügt, welche Nistkästen, besonders für Kleinvögel, in guter Qualität herstellen können, wurde auch dies durch eigene Mitarbeiter realisiert. Wegen den Platzverhältnissen im Turm mussten die Kästen für Schleiereule/Turmfalke vor Ort angefertigt und eingepasst werden. Die Kosten hierfür übernahm dankenswerterweis die Stiftung des VTO. Unter dem Dach wurden von Fledermausfachmann R. Koch aus Stöckey Einflugöffnungen für Fledermäuse geschaffen, um auch diesen bestandsbedrohten Tieren die Möglichkeit zur Nutzung des Gebäudes zu geben. Nach Abschluss der gesamten Arbeiten wurde vom Landschafts- und Gartenbaubetrieb S. Zinke aus Arenshausen ein gesponsortes Schild, welches alle übrigen Sponsoren aufführt, an der Außenwand des Gebäudes angebracht. Die Eingangstür ziert ein Aufkleber mit dem schon über das Eichsfeld hinaus bekannten Logo „Ein Herz für Vögel“, unter dem Vereinsmitglied D. Krüger aus Lutter schon seit Jahren sehr schöne und fachgerechte Nistkästen für Kleinvögel herstellt. Am 27.01.20 fand ein Treffen am Trafohaus mit den Sponsoren, den fleißigen Helfern und der Presse statt, bei dem allen Beteiligten ein herzlicher Dank ausgesprochen werden konnte. Dies war das erste derartige Projekt der Fachgruppe Ornithologie im Eichsfeld und es konnte nur durch die zahlreichen Helfer und Sponsoren mit den vergleichsweise geringen finanziellen Mittel der Fachgruppe bewerkstelligt werden. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass dieses ehemalige Stromhaus von vielen Vögeln (bzw. anderen Tieren) als Reproduktionsplatz genutzt wird.

Hans-Bernd Hartmann

Überwachung der Brut des Uhus (Bubu bubo) an einer Felswand

Antragsteller: Rudolf Sienhold

Seit vielen Jahren brütet in einer Nische einer Felswand nahe der Ortschaft Ebenau/WAK ein Uhu. Der Felsen befindet sich in dem 139 ha großen Naturschutzgebiet "Klosterholz und Nordmannssteine". Der Uhu brütet seit Jahrzehnten, immer an der gleichen Stelle. Nicht nur Ornithologen ist der Brutplatz bekannt. Die jungen Uhus wurden in den vergangenen Jahren stets von Herrn Görner und sollen nun von Herrn Hofmann beringt werden. Bis vor drei Jahren wurde unmittelbar neben dem Felsen in einem Steinbruch Kalk abgebaut. Jetzt ist hier die Produktion eingestellt worden. Ungefähr seit dieser Zeit gibt es keine jungen Uhus mehr. In jedem der drei Jahre brütete das Weibchen und verließ das Nest wahrscheinlich gegen Ende der Brutzeit. Es gibt einige Vermutungen, was den Uhu zum Aufgeben der Brut veranlassen könnte. Um Klarheit zur Aufgabe der Brut zu erlangen und um geeignete Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen, wurde das Projekt gestartet. 8 Personen waren an der Beobachtung des Brutplatzes beteiligt. Um das Nest des Uhus zu „überwachen“, kauften wir mit Fördermitteln der Stiftung des Vereins Thüringer Ornithologen eine Infrarot-Funkkamera und das erforderliche Panel. Tag und Nacht löst die Kamera bei jeglichen Bewegungen an der Nistmulde aus und sendet die aufgenommenen Fotos per Mail an unseren Computer. Als wir im vorigen Jahr die Kamera anbringen wollten, hatte sich einen Tag zuvor der Uhu gesetzt. Also haben wir die Kamera nicht angebracht. In diesem Jahr installierten wir die Kamera rechtzeitig. Mit den gesendeten Fotos sollte sich der Brutverlauf verfolgen lassen. Bereits in der ersten Nacht zeigte sich der Uhu. Er landete nicht in der Nistmulde, sondern flog sofort wieder ab. Wenige Stunden später folgten ein Waschbär und danach Mäuse. Nach einigen Tagen "inspizierte" ein Wanderfalke die Nistmulde. Um weitere Besuche der Waschbären einzuschränken, mussten wir eine Kastenfalle erwerben. Sie wurde unweit des Nistplatzes aufgestellt. Das Aufstellen der Falle erfolgte in Abstimmung mit dem Revierförster und dem Jagdpächter. Der Standort der Falle ist mit dem Spektiv einzusehen und wird am Tage im Abstand von 6 Stunden von uns kontrolliert. Während des Beobachtungszeitraumes wurden 7 Waschbären (ausnahmslos männliche Tiere) gefangen. Der Uhu ließ sich nicht mehr am Nistplatz beobachteten. Nach einigen Tagen besetzte der Wanderfalke die Nistmulde und begann kurz darauf mit der Brut. Es wurden 3 Eier gelegt. Nach ca. 2 Wochen sendete die Infrarotkamera nicht mehr. Die Speicherkarte war belegt. Einige Tage danach wurde sie ausgetauscht. Die Kamera sendete wieder. Nach dem wahrscheinlichen Schlüpfen des ersten Kükens fiel die Kamera erneut aus. Jetzt ließ sich der Nistplatz nur noch mit dem Spektiv beobachten. Leider war am Morgen danach der Nistplatz leer. Für uns ergaben sich folgende Resultate. 1. Die Kamera war (für den Uhu) wahrscheinlich zu nah am Nistplatz angebracht. Dadurch hat er möglicherweise, wie in der Literatur schon bei anderen Eulenarten beschrieben, auf diese kurze Entfernung die Infrarotblitze registriert und den Brutplatz gemieden. 2. Die Besuche der Waschbären oder anderer Prädatoren erfolgten stets nachts. Im November 2019 balzen die Uhus wieder. Im folgenden Jahr werden wir wieder – besser vorbereitet und hoffentlich erfolgreicher - den Nistplatz beobachten.

Dr. Rudolf Sienhold, Nov. 2019

Regionale Differenzierung der Häufigkeitskategorien in ornitho.de

Programmierung des Softwaretools sowie die technische Umsetzung durch Biolovision für ornitho.de

Antragsteller: Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V.

Ein seit dem Start von ornitho.de oft geäußerter Wunsch ließ sich nunmehr in die Tat umsetzen: Die Regionalisierung der Häufigkeitseinteilung. Von nun an wird es nicht mehr vorkommen, dass ein Berglaubsänger in Norddeutschland als „häufig“ in den übrigen Meldungen untergeht, oder die Beobachtung einer Trauerente in Bayern in derselben Häufigkeitskategorie eingeordnet ist, wie die einer Reiherente. Die Regionalisierung erfolgt auf Basis der Naturräumlichen Großlandschaften. Das passt bei vielen Arten erstaunlich gut. Die Einteilung in „sehr selten“ bis „sehr häufig“ erfolgte anhand von Brutbeständen, Rastbestandsschätzungen sowie der Zahl der Meldungen in ornitho.de im Jahresverlauf. Insbesondere selten beobachtete Arten werden nun deutlicher aus der Masse der Meldungen herausgehoben. Mit der Fördermittelhöhe von 4.000,00 Euro konnte die Programmierung dieser Funktion in ornitho.de durch die Stiftung des Vereins Thüringer Ornithologen unterstützt werden.

Hintergrund und Zielstellung

Die Kategorisierung der Häufigkeit „sehr selten, selten bis sehr häufig“ in ornitho.de richtete sich bislang nach der bundesweiten Häufigkeit der einzelnen Arten. Das hatte bspw. zur Folge, dass die Schneeammer aufgrund der Wintervorkommen an den Küsten von Nord- und Ostsee deutschlandweit als „mittelhäufig“ kategorisiert war, obgleich sie abseits der Küste überall selten ist. Ähnliches gilt für zahlreiche andere Arten, die in einem Naturraum wie der Küste oder des offenen Meeres häufig auftreten, abseits davon nur spärlich bis sehr selten z.B. Eiderente, Knutt, Pfuhlschnepfe, Zwergmöwe, Mantelmöwe; aber auch Steinkauz, Alpenbraunelle oder Schneefink in anderen Naturräumen. Als regionale Besonderheiten traten sie somit nicht hervor. Im Rahmen des Projektes wurde eine Regionalisierung der Häufigkeitseinstufungen umgesetzt und zum 1. August 2018 in ornitho.de freigeschaltet.

Umsetzung

In ornitho.de sind 11 naturräumliche Großlandschaften hinterlegt, für die künftig eine Differenzierung möglich ist (s. Abb. rechts). Bei 333 Taxa wurde eine Regionalisierung für sinnvoll erachtet. Das entspricht 3.663 Einstufungen auf Naturraum-Ebene. Für 422 Taxa gilt weiterhin eine bundesweite Häufigkeitseinstufung. Künftig gilt bezüglich der Häufigkeitskategorien folgende Logik: Bundesweite Seltenheiten können über das Kriterium „sehr selten“ bzw. „nie beobachtet“ abgefragt werden. Diese Arten werden auch über den Menüpunkt „Seltene Arten“ „Sehr seltene (alle Kreise)“ angezeigt. Regionale Seltenheiten (auf Naturraum-Basis) können über das Kriterium „selten“ abgefragt werden. Diese Arten werden dann auch über den Menüpunkt „Seltene Arten“ „Seltene (meine Kreise)“ angezeigt. Die Häufigkeitskategorien „wenig häufig“, „häufig“ und „sehr häufig“ werden ‒ wie „selten“ ‒ künftig nur noch auf Naturraum-Ebene verwendet. Beobachtungen des Austernfischers in Deutschland und Luxemburg in den Jahren 2013 bis 2018 vor dem Hintergrund von Bundesländern und Kreisen (links) sowie Naturräumen (rechts). Die regionalen Häufigkeitsunterschiede lassen sich bei vielen Arten auf Basis von Naturräumen besser differenzieren als auf Basis administrativer Einheiten (s. Abb. rechts).

Projekte 16/17

Im Förderzeitraum 2016/2017 (Stand August 2017) konnten von der Stiftung des Vereins wieder einige ornithologische Projekte finanziell unterstützt werden. Den aktuellen Stiftungsbericht können Sie hier nachlesen. Im Folgenden möchten wir ausgewählte Projekte näher vorstellen.

Förderprojekt Dohlen und Falken brüten in den Kirchen

"Die rabenschwarze Intelligenz" wird demnächst auch in den Südturm der Mühlhäuser Bachkirche einziehen. Das hoffen junge Ornithologen von der Vogelschutzwarte Seebach und Mitglieder der Kirchengemeinde Divi Blasii St. Marien. Sechs Nistkästen haben sie mehr als 150 Stufen hinaufgetragen und ins Turminnere eingebaut. Über kleine Luken sollen vor allem Dohlen ins Innere gelangen und dort ihr Nest aufbauen. In vier Wochen könnte es schon so weit sein, hofft Biologe Sven Pompe. Gemeinsam mit den Mitgliedern im Gemeindebeirat hat er dafür gesorgt, dass die großen Sperrholzkisten auch in der Untermarktkirche angebracht werden. "Höhlenbrütern kann man mit Nistplätzen helfen, da in der Vergangenheit viele Brutnischen verschlossen wurden und das zum Rückgang zahlreicher Vogelarten geführt hat ", erklärt Pompe. Es wäre nicht der erste Kirchturm, wo es lautstark zugeht. "Dohlen sind nicht zu überhören", weiß Vogel-Experte Hans-Joachim Blank. Er schätzt, dass in der Region 200 bis 300 Tiere heimisch sind. Vor allem in Kirchtürmen fühlen sie sich wohl. Deswegen werden immer wieder entsprechende Nistplätze eingerichtet. Es dauerte keine Stunde und sechs Kästen waren angeschraubt. Mehrere Kästen erhöhen die Chancen auf Einzug, denn Dohlen sind gesellige Vögel und leben in Kolonien. Die Ornithologen von der Vogelschutzwarte füllten die Kästen mit Materialien zum Nestbau. Den vollständigen Bericht können Sie in den Mitteilungen und Informationen (Heft 40) nachlesen.

Förderprojekt  Rotmilanpatenschaft des Vereins Thüringer Ornitologen

Im April 2017 startete der DDA im Rahmen des landesweiten Artenschutzprojektes "Land zum Leben" ein Patenschaftsprojekt der besonderen Art. Ziel der Patenschaften ist die finanzielle Unterstützung der Rotmilanforschung. Teil dieses ist ein Besenderungsprojekt in dem mit Hilfe von Sendern vor allem kleinräumige Aktivitäten und Aktionsradien von Rotmilanen während und außerhalb der Brutzeit engmaschig überwacht werden sollen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen können einen Beitrag zum besseren Verständnis der Ansprüche dieser Art und daraus resultierender notwendiger Schutzmaßnahmen liefern. Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie unter www.dda-web.de. Der Vorstand des VTO hat sich entschlossen, aus Mitteln der Stiftung des VTO, dieses Projekt mit der Übernahme einer Patenschaft zu unterstützen. Den vollständigen Bericht können Sie in den Mitteilungen und Informationen (Heft 40) nachlesen.